1980 erschien der 25. Asterix-Band, geschrieben und gezeichnet von Albert Uderzo, mit dem Titel: Der große Graben. Die Geschichte das Bändchens ist schnell erzählt – Uneinigkeiten und Missverständnisse in einem gallischen Dorf führen zum Krieg, der in der Teilung des Dorfes durch einen Graben mündet. Uderzo selbst erklärte den „großen Graben“ als direkte Anspielung auf die Berliner Mauer doch grundsätzlich kann wohl jede trennende Mauer, jeder teilende Graben gemeint sein, den Menschen aus Uneinigkeit und Unverständnis gegeneinander errichten. Asterix und Obelix schaffen es die Streitparteien in einem gemeinsam Ziel zu einen – die Römer „verhauen“ – und letztendlich alle Missverständnisse zu bereinigen. Das versöhnliche Ende der Geschichte: Der Graben wird zu einem Kanal, verbunden durch Brücken.

Neun Jahre später, am 09. November 1989, fiel die Berliner Mauer. Wir haben dieses Jahr ein Jubiläum begangen und was mir aufgefallen ist – der Mauerfall wurde in vielen Kommentaren und Berichten nach einem Pro und Contra unterteilt. Eine Rekapitulation hochgerechnet auf Gewinn und Verlust. Wie viel hat es gekostet, was hat es gebracht und überwiegen die Nachteile nicht vielleicht doch die Vorteile?

Es ist wohl ein bezeichnendes Bild unserer Gesellschaft, wenn wir die Wiedervereinigung eines Volkes, das durch politische Willkür getrennt wurde, in Gewinn und Verlust berechnen. Und es zeigt ein grundlegendes Missverständnis auf: Es reicht nicht, eine Mauer niederzureißen, es reicht nicht eine Brücke zu bauen, um Gräben für immer zu überwinden, um Missverständnisse und Uneinigkeiten, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden, aus der Welt zu schaffen. Das Zueinanderfinden braucht seine Zeit und vor allem braucht es den ständigen Dialog.

Wir, die Kärntnerinnen und Kärntner, wissen das aus eigener Erfahrung. Jahrzehntelang wurde in Kärnten das Trennende vor das Einenden gestellt. Mittlerweile wissen wir, dass es zwischen den Deutsch und den Slowenisch sprechenden Kärntnerinnen und Kärntnern ohnehin schon immer viel mehr Gemeinsames als Trennendes gegeben hat.

Mit Stolz möchte ich darauf hinweisen, dass wir in Kärnten, in unserem „kleinem gallischen Dorf“ viel weitergebracht und uns weiterentwickelt haben. Wir dürfen dabei nur nicht stehen bleiben, sondern unser Kärnten in einem dynamischen, breit aufgestellten Prozess immer weiter nach vorne bringen – gemeinsam. Wir leben in einem wunderschönen Land mit viel Potenzial, mit herzlichen Menschen die gelernt haben alte Konflikte nicht aus der Vergangenheit heraus zu betrachten, sondern die darum bemüht sind, aus dem gestern, die Lehren für eine erfolgreiche Zukunft ziehen. Darauf müssen wir bauen, wenn wir nicht wollen, dass die gemeinsam errichteten Brücken wieder abgerissen werden – aus Unachtsamkeit, Eigensinn oder Stolz.

Die ARGE Österreichischer Volksgruppen in der SPÖ, wird daher auch in Zukunft mit Respekt, Achtung und Wertschätzung, das bereits Erreichte vertiefen und verbreitern. Wir wissen, dass wir aus diesem Gemeinsamen, durch die Zweisprachigkeit und Vielfalt des Landes Zukunftschancen generieren können – darum lasst uns auch weiterhin am charmanten Happy End arbeiten, wie Uderzo, wie Asterix und Obelix es uns vorzeigen: Machen wir aus Gräben Kanäle, über die Brücken führen. Gemeinsam nach vorn, ohne dabei die eigene Identität zu verlieren.

SPÖ Kärnten Frauenvorsitzende, Ana Blatnik