Die Digitalisierung ist Hoffnung und Bedrohung zugleich. Einerseits eröffnen sich neue Gleichstellungspotenziale und bessere Vereinbarkeitschancen. Andererseits kennen wir auch die Szenarien, die massive Jobverluste prognostizieren. Für immer mehr Menschen wird darüber hinaus zunehmend spürbar, dass die Digitalisierung nicht allein eine technisch-ökonomische Revolution ist, sondern dass unser Gesellschaftssystem eine grundlegende Veränderung durchlebt.

Was bringt also digitale Wandel für Frauen? Oder besser gesagt: Was braucht es, damit die mit der Digitalisierung einhergehenden Veränderungen von Frauen genutzt werden können?

Nicht vergessen, wir schreiben das Jahr 2019 und kämpfen immer noch um gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Wir kämpfen immer noch um ausreichend Kinderbetreuungsplätze und müssen noch immer mehr Frauen in Führungspositionen einfordern. Wo liegt das Potenzial der Digitalisierung bestehende Ungerechtigkeiten zu beseitigen?

Mit der fortschreitenden Digitalisierung könnten diskriminierende Strukturen gegenüber Frauen abgebaut werden. Hierarchien könnten abgeflacht, Arbeitszeiten den individuellen Bedürfnissen angepasst werden und dadurch die individuelle Autonomie im Beruf verstärkt werden. Frauen könnten auch deshalb Gewinnerinnen der Digitalisierung sein, weil sie – ironischerweise aus einem tradierten Rollenbild heraus – häufig über mehr Sozialkompetenz verfügen als Männer. In diesem Sektor, der sozialen, emphatischen Berufe, die auch in absehbarer Zeit nicht von Robotern erledigt werden können, haben Frauen sogar einen Vorteil gegenüber Männern.

Das klingt vielversprechend – aber so ähnlich klang auch das Versprechen des Neoliberalismus: Menschen nach Leistung bewerten, nicht nach Geschlecht, Herkunft oder Religion. Nur so funktioniert das nicht, wie wir wissen. Weder Wirtschaft noch Technologie werden die Gleichstellung der Geschlechter besorgen, denn sie sind noch immer Teil eines patriarchalen Systems, aus dem man nicht einfach aussteigt, nur weil man eine neue App auf dem Handy installiert: Das Patriarchat ist kein analoges Phänomen, es endet nicht mit der Digitalisierung, sondern schafft sich eben neue Kanäle, um alte Diskriminierungen aufrecht zu erhalten.

Solange wir noch immer in alte Rollenbilder verhaftet sind, solange wir Tabuthemen wie den Gender Pay Gap noch immer unter den Teppich kehren und partnerschaftliche Erziehung die Ausnahme und nicht die Regel ist – solange brauchen wir uns auch nicht der Illusion hingeben, dass Technologie und Wirtschaft die großen Problemlöser unserer Zeit sind.

Diese Kämpfe müssen wir immer noch auf dem politischen Parkett austragen. Es braucht politische Regelungen, damit sich Digitalisierung nicht zum Nachteil der Arbeitenden, besonders zum Nachteil von Frauen, auswirkt. Denn Digitalisierung führt keineswegs automatisch oder selbstverständlich zu einer stärkeren Gendergerechtigkeit!

SPÖ Kärnten Frauenvorsitzende, Ana Blatnik