Der Social MonTalk

Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt!

Morgen schalte ich einen Tag lang mein Handy aus. Morgen beantworte ich einen Tag lang keine E-Mails, streame keine Filme, like kein Video, poste kein Foto. Oder vielleicht doch erst übermorgen? Weil morgen sollte ich zumindest vormittags fürs Büro erreichbar sein, einen Auftrag muss ich noch abschicken, die Kinder wollten am Abend die „Eisprinzessin“ sehen und Oma hat über WhatsApp eine Einladung zu ihrer Geburtstagsfeier geschickt – um Antwort gebeten!

Wir hatten wohl alle schon einmal, oder mehrmals, diesen Moment, in dem wir unsere ständige Erreichbarkeit verwünscht haben. Aber es sind Momente, im Großen und Ganzen hinterfragen wir die Kommunikation unserer Zeit nicht, sondern benützen sie, entwickeln sie weiter bzw. lassen sie fallen, wenn sie überholt ist.

Technologische Innovation, einerlei ob es die Entdeckung des Rades oder Twitter ist, ist immer das, was wir daraus machen: Sie ist nicht per se gut oder schlecht, Fluch oder Segen. Mit Ausnahme der Produkte, die im Dauerwerbefernsehen angeboten werden – die sind böse, alle.

Ganz im Ernst – unsere Gesellschaft hat sich immer im Dialog mit technologischer Innovation entwickelt, geprägt und geformt. Allerdings werden die Nischen immer seltener, die eine Verweigerung oder Ablehnung von neuer Technologie erlauben. Ein Faxgerät war eine geschäftliche Ja oder Nein-Option und privat eher eine „Schrulle“. Heute keine E-Mail-Adresse haben – das ist schrullig, weltabgewandt, extrem unterprivilegiert oder extrem privilegiert.

Eine E-Mail-Adresse bedeutet selbstverständlich noch nicht Digitalisierung. Aber es war einer der ersten Schritte und nun, heute, sind wir gefordert, mit Bedacht und Überlegung den nächsten zu setzen. Wir konnten uns einige Jahrhunderte lang an das Rad gewöhnen, an den Buchdruck und an die Aufklärung. Aber wir wurden – um bei dem Beispiel Kommunikation zu bleiben – in knapp zwanzig Jahren vom Wählscheibentelefon zum iPhone katapultiert. Das ist atemberaubend wenig Zeit und was kommt jetzt?

Was bedeutet die Digitalisierung für unsere Gesellschaft und unseren Alltag? Wie werden wir in Zukunft Arbeit definieren und welchen Stellenwert wird sie haben, wen sie großteils von Maschinen erledigt werden? Welchen Staat von morgen werden wir haben – Sozialstaat 4.0 oder „Jeder gegen jeden“? Was nützt es, einen Baum zu pflanzen, während die Welt brennt? Brauchen wir eine politische Vision für die Zukunft oder eine pragmatische? Ich denke, wir brauchen beides!

Die Zukunft ist das, was wir daraus machen. Die Zukunft zu formen heißt, heute die richtigen Fragen zu stellen. Je mehr Fragen, desto besser, je kritischer und unvoreingenommen desto größer die Chance, dass jede Idee, jede Maßnahme, die heute geboren wird, uns morgen nicht auf den Kopf fällt, sondern Früchte trägt.

Wichtigstes Steuerungsinstrument für unsere Zukunft ist noch immer die Politik. Aber auch in unserer politischen Entscheidungsfindung müssen wir im 21. Jahrhundert ankommen. Wir müssen Kompromissbereitschaft zeigen, aufeinander zugehen und alternative Lösungsansätze zulassen. Wir müssen den Mut haben, Fragen zu stellen und Antworten zulassen, die uns nicht gefallen.
Wir können nicht länger an Erfolgsmodellen festhalten – die zu ihrer Zeit richtig und wichtig waren – nun aber einer gesellschaftspolitischen Weiterentwicklung bedürfen. Die ös-terreichische Sozialdemokratie hat in der Vergangenheit Strukturen geschaffen, die für alle Menschen unseres Landes größtmögliche Wahlfreiheit und Chancengleichheit gewährleisten. Diesen Auftrag gilt es, konsequent weiter zu verfolgen, angepasst an aktuelle Lebensentwürfe und Vorstellungen.

Es braucht dazu neue Konzepte und Schulterschlüsse über Partei-, Staats- und auch Unionsgrenzen hinweg, damit wir für die in Kärnten, Österreich und Europa lebenden Menschen ein gesundes, menschliches und friedliches (Über-) Leben sichern können. Einerlei ob Kinderbetreuung, Karenzzeiten oder gesicherte Pflege – die BürgerInnen von heute erwarten sich in den Prozess der politischen Gestaltung miteinbezogen zu werden.

Der Social MonTalk ist ein Beginn. Ein erster Baustein, den wir für ein gemeinsames Haus der Zukunft setzen. Nicht die Denkwerkstatt einer kleinen Elite, sondern ein offener und gesellschaftspolitischer Zukunftsdialog als Prozess, an dem sich alle BürgerInnen und ExpertInnen beteiligen können.

Wir sind noch immer SozialdemokratInnen, wir bekommen immer noch eine Gänsehaut wenn wir die „Internationale“ hören und unser Pulsschlag erhöht sich, wenn wir von Solidarität sprechen. Aber das heißt nicht, dass wir uns blind und taub stellen gegenüber gesellschaftlichen Realitäten. Ganz im Gegenteil, wir wollen versuchen, technologischen Fortschritt zu nutzen, das Beste für die Menschen „herauszuholen“. Uns geht es darum, den konstanten Prozess der Bedeutungsgewinnung in unserem aktuellen gesellschaftlichen Umfeld mit einem politischen Ideal zu harmonisieren – nicht aufzuzwingen.

Wir wollen ihre Ideen hören, ihre Meinung wohin sich Kärnten, Österreich ihrer Ansicht nach entwickeln soll. Gemeinsam wollen wir die Richtung entscheiden, Wegmarkierungen und Grenzen festlegen. Wir wollen nicht von vorneherein unsere sozialdemokratische Meinung „aufzwingen“ sondern freuen uns darauf, wenn in Diskussionen, im Dialog mit den BürgerInnen, ExpertInnen und politisch anders gesinnten, Lösungsvorschläge für die Zukunft gemeinsam erarbeitet werden.

Natürlich, angesichts der globalen Herausforderungen, ist der Social MonTalk kein Allheilmittel und kein Patentrezept. Es ist das, was es ist: ein erster, bedächtiger Schritt in eine sich ständig verändernde, Neue Welt. Aber auch die erste Weltumsegelung begann nicht auf einem Aida-Kreuzfahrtschiff, sondern mit ein paar Mutigen, Verrückten und Neugierigen, die sich fragten, was wohl hinter dem sichtbaren Horizont liegen mag …

Ich lade Sie herzlich ein, mit uns an Bord zu gehen – am ersten Social MonTalk, am 27.01.2020 zum Thema: Der Wahn von Vollbeschäftigung: Welches Grundeinkommen brauchen wir?

Andreas Sucher, 23.1.2020

(Landesgeschäftsführer SPÖ Kärnten)

Die Teilnehmerzahl pro Veranstaltung ist begrenzt, so dass wir eine frühzeitige, verbindliche Anmeldung empfehlen. Vielen Dank!

Montag, 27. Jänner 2020 um 18 Uhr.
SPÖ Kärnten, Lidmanskygasse 15, Klagenfurt

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